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Konzert: DONOTS + Disco Ensemble Coma Chameleon-Tour wird präs. von: CampusRadios NRW
Freitag 9.5.2008
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr

DONOTS


Ein Intro, elf Songs, 37 Minuten. „Coma Chameleon“ ist inhaltlich und musikalisch ein Befreiungsschlag geworden. Entschlackt und befreit von unnötigen Ballaststoffen, und dennoch das vielseitigste, ideenreichste und weitläufigste Donots-Album. Klingt wie ein Widerspruch, ist aber in Wahrheit Konsequenz. Hier werden Kreise quadriert und Vierecke gerundet. Ein großer Schritt für eine Band, von der man dachte, sie zu kennen. „Coma Chameleon“ ist ein Album, das für sich steht, begeistert und herausfordert.

Entstanden ist „Coma Chameleon“ im Spannungsfeld von „Auf zu neuen Ufern“ und „Zurück zu den Wurzeln“ an zwei verschiedenen Orten mit zwei verschiedenen Produzenten. Die anfängliche Schnaps- wurde schnell zu einer Spitzenidee: Der Schwerpunkt des Albums wird mit Kurt Ebelhäuser als Produzent im Koblenzer Tonstudio 45 aufgenommen. Daneben wird das Principal Studio in Ottmarsbocholt/Münster zur zweiten wichtigen Schaltzentrale auserkoren. Auf ausdrücklichen Bandwunsch ist dort Vincent Sorg als Produzent mit an Bord. 1998 nahmen die Donots mit ihm an gleicher Stelle das Album „Tonight’s Karaoke Contest Winners“ auf - damals ohne Plattenfirma im Hintergrund.

Dieses Maximum an Freiheit und Unabhängigkeit haben sich die Donots für „Coma Chameleon“ zurückerobert: Fast zwei Jahre lang wurde an juristischen Tauen gezogen, bis die Donots aus ihrem alten Plattenvertrag raus waren. „Coma Chameleon“ erscheint nun auf ‚Solitary Man Records’, dem Label von Sänger Ingo, das bis dato nur in Japan aktiv war und nun seine Aktivitäten auch auf Europa ausdehnt. Ein Risiko, sicher. Doch egal, wie das hier ausgeht: Es hat sich jetzt schon gelohnt. Denn „Coma Chameleon“ platzt förmlich vor Freiheit. Stilistische Schranken? Über Bord damit. „Das könnt ihr so nicht machen“? Und wie wir können! Man kommt eben nur weiter, wenn man die Dinge anpackt und den Schritt ins Ungewisse wagt. Beziehungen, Menschen, das ganze Leben verändert sich ständig. Wenn das nicht so wäre, würden wir immer noch auf Bäumen sitzen, Bananen mampfen und den ganzen Tag Madball hören.

Natürlich könnte man noch aufzählen, was die Donots in den Jahren seit ihrer Gründung 1993 alles erreicht haben. Sechs Alben wurden veröffentlicht, neun Singles, eine EP, eine DVD und eine Best-Of. Die Zahl der gespielten Konzerte liegt im hohen dreistelligen Bereich, und kaum jemand zweifelt daran, dass sie die Tausend auch noch vollmachen. Dabei hat die Band auf 60 Prozent, sprich: weit über der Hälfte aller Kontinente dieses Planeten Verstärker angeschmissen und Bühnen bestürmt: Von Tokio bis New York, von Litauen bis Portugal, von „Rock am Ring“ bis „Olga’s Rock“.

Man könnte weitermachen und die 500.000 Platten erwähnen, die die Band im Laufe der Jahre verkauft hat. Und man könnte die Bands auflisten, mit denen die Donots schon Konzerte gespielt haben und hätte selbst dann, wenn man sich nur auf die absoluten Highlights beschränkt, eine imposante Reihe, die von den Beatsteaks zu Judas Priest, von Turbonegro zu den Toten Hosen, von Green Day zu Linkin Park, von Blink 182 zu The Hives, von Iggy Pop zu Avril Lavigne reicht. (Pikantes Detail am Rande: Mit einer der beiden letztgenannten Personen hätte Donots-Gitarrist Guido beinahe geknutscht).

Man könnte, könnte, könnte. Doch im Grunde ist das alles Mumpitz. Denn die Heldentaten von Gestern jucken im Hammerhaifischbecken Musikbusiness niemanden. Worauf es wirklich ankommt, ist, wie du dich im Hier und Jetzt machst. Was zählt, ist, ob du das Heute rocken kannst. Und das machen die Donots mit „Coma Chameleon“ ohne Frage.

DISCO ENSEMBLE


Wo Disko draufsteht, ist Tanzen drin. Könnte man meinen, aber zuweilen ist der Dancefloor auch ein gefährliches Pflaster: Wo junge Menschen dicht gedrängt ihren Gefühlen freien Lauf lassen, wo das Strobolicht flackert und die Spannung greifbar ist, die Luft elektrisiert. Miikka Koivisto würde diese Atmosphäre mehr zusagen als Tanzschulschritte unter der Diskokugel, als Abba und Erasure. Finnlands bestgehütetes Geheimnis muss als gelüftet betrachtet werden – und dabei spielen düstere Metalklänge entgegen der landläufigen Meinung ausnahmsweise keine Rolle. "First Aid Kit", das zweite Album des finnischen Quartetts Disco Ensemble, ist von ganz anderem Kaliber, ist Punkrock mit der Betonung auf der zweiten Silbe. Wild, unbekümmert, eindringlich und vor allem: rastlos. Und bei aller Aggressivität durchweg positiv, wie Sänger Miikka betont.

"Textlich geht es darum, nicht zurückzuschauen. Es geht ums Überleben," sagt er. "Mit den Unwägbarkeiten und Widrigkeiten des Lebens zurechtzukommen, sie zu bekämpfen wie es eben geht." Darum geht es bei Disco Ensemble. "Das Gute daran, wenn Du über negative Dinge singst ist, dass Du all die schlechten Gefühle nimmst und sie kreativ verarbeitest. Schließlich ist Musik wahrscheinlich die beste Therapie, die man sich vorstellen kann. Das gilt auch für diejenigen, die sie hören." Auf "First Aid Kit" geht es um den Schmerz. Den, der tief in Deinem Inneren sitzt und für den es keinen Verbandskasten gibt. Und es geht um Sirenen, die vom Unheil künden: im krachig-hymnischen "Black Euro" zum Beispiel. "Can you hear the seductive sirens? / Can you hear the atonal anthem?" Es geht um das Gefühl von zu viel ("This Is My Head Exploding") und zu wenig, wie im Song über die Angst "We Might Fall Apart", der die dräuende Gewissheit dass es vorbei ist, vermittelt. Hier besitzt die Vorsilbe Emo noch ihre ursprüngliche Bedeutung, ist noch nicht zum verwässerten Begriff für alle Arten von Gitarrenpop verkommen.

Zusammen spielten sie noch 2003 ihr vielbeachtetes Debüt "Viper Ethics" in den renommierten Tonteknik Studios (u.a. Refused, The Hives, Bombshell Rocks, Poison The Well) in Umeå, Schweden, ein. Das Album, vom finnischen Undergroundlabel Fullsteam Records veröffentlicht, wurde zum kleinen Kritikerliebling und Hals über Kopf sah sich Disco Ensemble auf Tour wieder: nicht nur in Finnland, in ganz Europa wohlgemerkt.


Mit "First Aid Kit" liegt nun also das Zweitwerk vor. Aufgenommen wurde es in den Fascination Street Studios im schwedischen Örebro, unter der Obhut von Produzent Jens Bogren. Sogar The Hives-Produzent Pelle Gunnerfeldt bediente zusammen mit Michael Ilbert bei vier Songs die Regler. Das Album sprüht trotz der gewonnenen Reife der Band nur so vor jugendlicher Gipfelstürmermentalität. Ob in der Absage "Drop Dead, Casanova", der Ansage "You Are The Dawn", ob in der Up-Tempo Abschiedshymne "So Long, Sisters" oder dem aggressiv-vitalen "Fresh New Blood".

Wer ungestüm nach vorne prescht, riskiert zu stolpern und sich die Knie aufzuschlagen. Disco Ensemble haben das eingeplant und vorgesorgt: Die Schürfwunden verheilen schon wieder.

Mehr:
Donots Hompage
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Fotogalerie:
09-05-2008

 


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